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Der längste Tag des Jahres |
| Ironman St.George,Utah am 7 Mai 2011 Die Nacht vor einem Rennen ist meistens eine sehr Kurze und Schlaflose. Um 3 uhr klingelte der Wecker dann hiess es etwas in den Magen bringen auch wenn das bei der ganzen Aufregung schwierig ist. Dass ich Halsschmerzen hatte, habe ich einfach auf die schlaflose Nacht geschoben. Um 4 Uhr 30 durfte ich dann zum ersten Mal in meinem Leben mit einem dieser amerikansichen Schulbusse Fahren die ich immer im Fernsehen gesehen habe.Er hat uns zum Schwimmstart gebracht der 45 Kilometer von der Stadt entfernt lag. Um 7 Uhr war es dann soweit für die rund 2000 Starter, den sehr langen und heissesten Tag des Jahres zu beginnen.
Das Wasser hatte um 0,5 Grad zugelegt und war jetzt frostige 16 Grad kalt:-) Der Massenstart war ungewohnt für mich und ich versuchte mich aus allem heraus zu halten. Das Schwimmen fühlte sich irgendwie komisch an und ich schob es auf die Kälte. Es wäre nicht das erste Rennen bei dem ich in meiner Paradedisziplin nicht so toll abschneiden würde. Nach schier endlosen 3800 Metern im Wasser war ich froh auf das Rad wechseln zu dürfen.Der hügelige Kurs mit den 2000 Höhenmetern war zwar schwierig aber abwechslungsreich und ich freute mich darauf. Schon beim ersten Hügel preschten andere Athleten an mir vorbei aber ich dachte mir nur: der Tag ist noch lang, man sieht sich. Ich versuchte mein Rythmus zu finden und Gleichmässig, mit wenig Kraftaufwand zu fahren. Bei jedem Bergab wurde etwas gegessen. Als wir nach St.George kamen wurde mir so langsam klar dass nicht die anderen so schnell waren sondern ich war so langsam.Ich hatte keinen Druck auf den Pedalen, mein Kopf hämmerte unter dem Helm und meine Nase ging zu. Das was am Morgen nicht sein konnte weil es einfach nicht sein durfte, war jetzt Realität. Ich hatte mich erkältet. Ich beschloss wenigstens die Radstrecke fertig zu fahren weil meine Sachen und das Auto eh in der Stadt waren, nahe der zweiten Wechselzone. Es waren nicht sehr viele Zuschauer auf der Strecke. Die meisten fanden sich in "der Mauer", einem 18% Hügel der aber noch recht angenehm zu fahren war. Auf der hälfte der Strecke bekam ich meinen Special needs bag in den ich 2 Toast mit Senf, Käse und Schinken gesteckt habe für den Fall dass ich etwas Abwechslung zu den pappsüssen Kohlenhydraten brauchte. Danach ging es in einem langen Bergab mit Seitenwind wieder Richtung Stadt und das Ganze nochmal. Nach 180 Kilometer radeln ging alles automatisch. Das Rad wurde mir abgenommen, der Sack mit den Laufsachen in die Hand gedrückt und ich wurde ins Wechselzelt dirigiert, und schwups war ich auch schon auf der Laufstrecke. Die Bilder und Gefühle von meinem Rennen in Barcelona, das ich bei Kilometer 19 beenden musste, kamen wieder zurück und in dem Moment wusste ich dass ich Heute die Ziellinie sehen würde, egal in welcher Zeit. Mein Traum von Hawaii hatte sich eh schon am Morgen ausgeträumt. Ein Artikel von meiner Trainerin kam mir in den Sinn. Er hatte die Überschrift: Mut zur Langsamkeit. Was eigentlich fürs Training gedacht war, galt Heute für mich in diesem Rennen. Die Laufstrecke war der Hammer. Es ging fast 10 Kilometer lang steil und weniger steil Bergauf. Das schlimmste war dass wir am Ende, beim Wendepunkt, auf die Stadt heruntersehen konnten und den Speaker an der Ziellinie hörten. An den Verpflegungsstationen kippte ich mir Eis ins Trikot und Wasser über die Armlinge. Das kühlte für einigen Meter denn inzwischen waren es über 32 Grad mit einem böhigen, trockenen Wind. Zurück zum Ziel war es angenehmer zum Laufen und ich hatte mittlerweile ein paar von den Mädels in meiner Altersklasse eingeholt. Der Knackpunkt beim Laufen war es nach dem 21 Kilometer Wendepunkt noch einmal rauf Laufen zu müssen. Die Verpflegunsstationen rückten immer weiter auseinander und ich kam mit dem trinken nicht mehr nach. Irgendjemand hatte seine Handflasche weggeworfen, das war meine Rettung. So konnte ich ein wenig Wasser bunkern und es in kleinen Schlucken mit Kohlenhydrate und Brühe, die ich am Laufgurt hatte, zwischendurch trinken. Inzwischen gingen die meisten Athleten Bergauf, nur die Staffelläufer joggten noch. Ich hatte die ganze zweite Runde den Bergab als Motivation vor Augen, danach das Ziel. Als es dann soweit war, war es weniger lustig. Meine Beine wollten nicht mehr so Richtig und ich bekam Krämpfe. Ich versuchte soviel Brühe wie Möglich zu trinken um den Salzverlust zu kompensieren. Die Letzten 4 Kilometer schienen Endlos. Aber ich schaffte es. Und der Augenblick in dem ich die Ziellinie sah war diese ganzen Strapazen wert. Meine Zeit mit 12 Stunden 57 Minuten war sehr langsam aber noch nie war ich so Happy ein Rennen einfach nur zu finishen. Ich hatte das bis jetzt immer als Normal empfunden. 5 Meter hinter dem Ziel haben mich dann gleich die Sanitäter einkassiert. Ich konnte nicht mehr stehen und nicht mehr gehen. Mein Kreislauf war im Eimer und meine Muskeln zitterten vor Erschöpfung.....aber ich war einfach nur Happy :-)
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